Marek Škubal

Zum 10. Internationalen Bildhauersymposium "Grenzgänger" in Arnbruck/Zellertal/Bayerischer Wald, trafen sich vom 12. bis 20. Mai 2009 die Künstler Marek Škubal, Vaclav Fiala, Tomas Kus, Rike Scholle, Eduard Deubzer, Walter Schreiner, Justus Müller, Hans Tremml. 
Sie waren 10 Tage Gäste in unserem Haus / galerie am bach.
Marek arbeitete in der Galerie mit unglaublicher Geduld und Sensibilität an einer Larve und ihrer Glasgussform. Anschließend schuf er für seine gläserne Larve ein "Bett" aus Gneis. Martialischer Krach und eine riesige Staubwolke umgaben ihn für zwei Tage. Unser Respekt und Hochachtung für diese enorme künstlerische Leistung. Für uns war eine aufregende-vielseitige-schöne Zeit im Wald...















Bertram Till
was bleibt

Juni - Juli '09
Landschaftsarchitekt und Künstler

Bertram Till, Jahrgang `66, wollte eigentlich Musiker werden. Aber verschiedene Umstände führten ihn über die Lehre als Landschaftsgärtner, das Studium der Landschaftsarchitektur - durchaus ein überaus künstlerischer Berufszweig – zu seiner jetzigen Arbeitsweise. Schon vor dem Studium entstanden kleinere bildhauerische Arbeiten. Mit dem Studium wurde mehr und mehr die Bildsprache wichtig. Architekten bemerkten später, dass er Pläne nicht zeichnen, sondern „malen“ würde. Neben dem Studium entstanden viele Skizzen und Gemälde in Öl und Dispersion. Das Thema waren Menschen, meist ohne Gesicht, sehr bestimmend in Gestik und Ausdruck (Ausstellungsthema Passion, Körperformen), und natürlich Überlegungen zu Stadt und Natur (Stadtlandschaft). Da diese Bereiche für ihn immer mehr zusammengehörten, in ergänzendem Widerspruch standen, begann Till, diese zu kombinieren und Einfluss aufeinander nehmen zu lassen. In den Ausstellungsthema „Kommunikation“ stellte er Tonmodelle vor Stadtlandschaften, die somit im Vorbeilaufen ein bewegter Teil des Bildes wurden. Im Zuge einer Gewächshaus-Ausstellung wurden zum Beispiel „Der kleine Prinz“ als Hörspiel und Edelrosen integriert. Hier fand eine Idee ihren Anfang, Malerei und Plastik sowie Musik nicht zu trennen, sondern zusammenzufügen zu einem Gesamtkunstwerk, zu einer Gesamtbetrachtung.
Verschiedene Themen mit unterschiedlichen Materialen zu gestalten ist für Bertam Till prinzipielle herangehensweise.
So entstanden zu der Ausstellung „Oh Maria“ Holzskulpturen, Fotografien von Frauen und einem Mann mit einer Holzskulptur sowie Kollagen auf der Grundlage der Fotografien. Dies bietet die Möglichkeit, die unterschiedliche Ausdruckskraft der Materialien, sei es Malerei, Fotografie oder Skulptur auszunutzen und so verschiedene Aspekte zum jeweiligen Thema darzustellen.

die bunten
was sind wir doch für toren
schillern bunt, rot, gelb und blau
wollen täuschen zu was wir sind geboren
uns verkriechen hinter buntem bau
doch der bauer zeigt uns die braune erde
die läßt sprießen die fruchtbarkeit
unter dem trab, der einfalt schwerer pferde
unsere nahrung kann fließen für alle zeit
wir springen nun mit bunten schildern
leben des besonderen in saus und braus
täuschen uns mit wilden bildern
stechen der güte und einfalt aus
doch am schluß wird alle farbe schwinden
alles wird zu einem brei
wird das leben nach gut und bös auseinanderwinden
in schwarz und weiß splittert es entzwei

Bertram Till zeigt in der raiarts.galerie am bach Bilder, die sich mit Texten verweben. Gedichte bzw. Geschichten laden somit zum Entdecken ein. Die Texte, die den Ursprung vieler Bilder bildeten, sind in den Bildern selbst nicht mehr sichtbar. Dafür werden sie separat gehängt.
Bei den Gedichten hat die Zeit eine besondere Bedeutung, was sich unter Anderem an den Entwicklungen zeigt. Sowohl in den Texten als auch in der in den Bildern verwendeten Symbolik werden verschiedene Epochen zusammengeführt, was die Zeitlosigkeit bestimmter Themen herauszustellen versucht.
Leben und die Suche bzw. Die Bunten z.B. sind Bilder mit Symbolen und Zeichen. Stier, Jäger, Mond usw. werden in ihrer altertümlichen Bedeutung aufgegriffen. Texte verwandeln sich in Steinreihen von Häusern. Die Komposition wird skizziert und dann auf die Blätter übertragen. So wie die Geschichte eines Menschen sich wandelt, so werden verschiedene Stile verwendet, von der Abstraktion bis hin zu Farbflächen.
Der flächige Auftrag bei den Bildern Transparent sind bei näherer Betrachtung ebenfalls Zeichen für bestimmte Stimmungen. Texte geben hierfür den Rhythmus an. Sie werden aufgeschrieben und dienen mit ihrer Ornamentik als Hintergrund. Bei dem Zyklus Zeit wurden die Texte auf einem separaten Layer geschrieben, wovon einmal mit einer Phantasieschrift, die bei dem Rezitieren entsteht. Die letzte Blattschicht bildet eine alte Darstellung von Zeitmessgeräten aus einem alten Brockhaus ab. Die transparenten, dünnen Papiere sollen sich im Windhauch bewegen und auch, vorsichtig natürlich, zu blättern sein.
Weiterhin sind Collagen zu sehen, die mit digitalisierten Zeichnungen und Fotografien verändert wurden. Auch sie beziehen sich auf Texte, Geschichten und Märchen. Dabei war für den Künstler interessant, ein eigentliches Kunstwerk aus Fotografie oder Zeichnung zu bearbeiten und dann wieder in einem anders gearteten Kunstwerk zu verwenden und so eine Wandlung beobachten zu können.

Kazeem Agboola . Papierbatik
21. Juni - 14. September '08
Inspiration durch Tradition | Batikkünstler Kazeem Agboola

Seit den frühen sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts ist die nigerianische Yoruba-Stadt Oshogbo der Dreh- und Angelpunkt einer Kunstszene, die durch ihre Dynamik und Strahlkraft weltweit große Beachtung findet. Ein Aspekt ist die Traditionen der Batik.

Zentrales Thema des in Berlin lebenden Batik-Künstlers Kazeem Agboola ist seine ursprüngliche Heimat Nigeria. Er gehört zur jungen Generation von Künstlern, die sich an traditionellem Kunsthandwerk und deren Motiven anlehnt und durch Adaption eine eigene Bildsprache gefunden hat.
Die auf Papier entstandenen, mehrfarbigen Bilder sind seine Art kulturelle, gesellschaftliche und religiöse Werte der Yoruba zu vermitteln.
In erstaunlicher Vielfalt verarbeitet er Eindrücke wichtiger Feste und Riten aber auch Alltägliches wie Markttreiben oder Dorfleben.
Seine Arbeiten zeichnen sich durch scharf verlaufende Konturen mit feinen fliessenden Farbübergängen aus. Die rhythmisch gegliederten, nie statisch wirkenden Hintergrundstrukturen bilden Flächen in nuancenreicher Farbskala und die linearen Effekte verdeutlichen den aufwändigen Arbeitsvorgang.

Kazeem Agboola bedient sich dabei zweier Techniken der Papierbatik:

Variante 1: Mit Tinte und Kohlestift wird eine erste Motivskizze gezeichnet und gestaltet. Anschließend wird heißes Wachs mit Pinsel oder einem Schaumstoffkeil auf bestimmte Partien aufgetragen. Danach wird das Papier "zerknittert". Nochmals mit Wachs gestärkt wird im nächsten Schritt erneut Farbe aufgetragen. Nach dem Trocknen des Blattes wird das Wachs mit Papier abgebügelt.

Variante 2: Zuerst wird eine colorierte Grundierung angefertigt. Danach wird das Motiv, wieder mit Tinte und Kohlestift, gezeichnet. Um den typischen Batik-Effekt zu erzielen, wird der Bogen wieder "zerknittert". Mit einer weiteren Schicht Wachs wird nochmals Farbe über das Bild geblasen bzw. gesprüht. Anschließend wird das Wachs abgebügelt.
Sultan Ali . Malerei . Zeichnung
Jivya Soma Mase . Zeichnung

15. März - 15. Juni '08
anandai - Indische Kunst im 20. Jahrhundert ist vielschichtig und lebendig. Sie schöpft aus Jahrtausende alten Traditionen indischer Herrscherhäuser und der künstlerischen Kreativität der Landbevölkerung. Eroberer und Einwanderer – Griechen, Portugiesen, Skythen, Araber, Afghanen, Perser und Engländer haben mit ihren Auffassungen und Stilen die indische Kunst mitgestaltet und beeinflußt.

Mit der unter dem Namen anandai firmierenden Ausstellung verbindet die galerie am bach zwei Strömungen aktueller indischer Kunst – Modern Indian Art und Folk Art.

„Ich male Energie“, sagte Sultan Ali, Vertreter der Modern Indian Art, in einem Gespräch – „Das Malen ist eine Art von Meditation, eben anandai.“ Die Handlungen, die sich in Sultan Alis Bildern abspielen, sind nicht willkürlich, sondern unvermeidlich. Seine Bilder verwirklichen das indische ästhetische Prinzip der Rasa. Danach soll der Künstler nicht das Sprachrohr sondern der Zeuge der Emotionen sein.

Jivya Soma Mase’s Name ist heute gleichbedeutend mit Warli Malerei. Die Warli sind ein Volk von etwa einer Million Seelen, die südlich von Bombay im indischen Bundesstaat Maharashtra angesiedelt sind. Sie gehören zu den Urvölkern Indiens. Soma Mase eignete sich die piktogrammartige Zeichenkunst der Warli-Frauen an und entwickelte sie auf individuelle Weise weiter.
Schwelgerisch könnte man ihn als wahren Gigant in der indischen Kunst unserer Zeit bezeichnen; er hat diese Seite von Folkart perfektioniert und damit internationale Anerkennung erreicht.
Andreas Futter . Bronzeplastiken
15. Dezember '07 - 9. März '08
leichtgewichtig

Ikarus hat einen Schnabel und trägt eine Zipfelmütze – Andreas Futters skurrile Bronzefiguren sind wohltuend befreit von der gewohnten Sichtweise.
Der Gmünder ist Absolvent der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und einer der gegenwärtigen Künstler, die eine Gegenwelt schaffen können, in der kräftig gegengesteuert wird.

Es fallen dicke Wichtel mit Hosenträgern in ihrer ganzen Behäbigkeit und Nichtigkeit auf, die einem in einer Art ironisch gebrochener Distanz zunächst stehen lassen. Aber es steckt mehr dahinter. So zum Beispiel die Plastik `Balance`; hier sieht der Betrachter eine knochige Figur mit extrem langen Beinen. Ziemlich schräger Vogel, der da nicht vom Brett fallen will. Es könnte aber auch ein Sinnbild für Europa sein, bei seinem Spagat zwischen arm und reich / Ost und West.
Wie gesagt: “könnte“.

Der Künstler hat mit freundlicher Ironie ein spezifisches Menschenbild entwickelt, welches er in besonderer Form auf uns abrundet. Für seine Miniaturgestalten hat Andreas Futter räumlich-plastische Lösungen gefunden. Selbst die Sockel sind abwechslungsreich in nie endender Variationslust: Von der einfachen Platte zur Treppe und kubischem Quader oder zum säulenhaften Rundsockel mit vielen Zwischen- und Übergangsformen.

Facettenreich stellt er sich gegen scheinbare Seriosität und arbeitet szenisch wie handwerklich ausgereift.
Die Figuren sind sympathische Abbilder unserer Unvollkommenheit.
Obiora Udechukwu . Malerei
21. Juli - 22. September '07
Der Künstler als Moralist

Obiora Udechukwu sieht seine Rolle in der nigerianischen Gesellschaft nicht primär als Künstler, sondern als Moralist. Er will mit seinen Werken dem Betrachter (und damit seiner Nation) einer Spiegel vorhalten. Nicht umsonst taucht in seinen Arbeiten seit langer Zeit immer wieder das nsibidi Symbol für den Spiegel auf. Mit seiner ganzen Kunst - das sind seine Bilder genau so wie seine Gedichte und Gesänge - versucht er, den lauf der Dinge zu beeinflussen. Er sieht seine Arbeit als Anmerkungen zum gesellschaftlichen leben.
Man kann Udechukwus Werk nur verstehen, wenn man die politische Entwicklung Nigerias seit der Unabhängigkeit berücksichtigt. Nach blutigen Pogromen in den anderen Landesteilen versuchten die 19bos, ihre Region im Osten des Landes als unabhängigen Staat unter dem Namen Biafra von Nigeria loszulösen. Der Krieg war für Udechukwu, der selber dem Volk der Igbos angehört, in zweifacher Hinsicht ein traumatisches Erlebnis: Zunächst führte die Unfähigkeit der Politiker, die ethnischen Streitigkeiten friedlich zu lösen bzw. die Schwächeren vor Übergriffen zu schützen, zu einer nachhaltigen Desillusionierung. Außerdem hinterließen die Schrecken des Krieges in ihm tiefe Spuren, die sich immer noch in seinen Arbeiten zeigen. Schon damals kommentierte Obiora Udechukwu mit seiner Arbeit die gesellschaftliche Entwicklung. Gegen Ende des Krieges, als die Bundestruppen Biafra schon längst von der Außenwelt abgeschnitten hatten, nahm er in einem Theaterstück Stellung gegen die Korruption in der eigenen Führung.

Seither hat er immer wieder vor der eigenen Türe gekehrt und Mißstände in seinem land angeprangert. Dabei machte er deutlich, daß seiner Ansicht nach die Lösung der Probleme in erster Linie im Vertrauen auf die eigene Kraft versucht werden muß. Für seine Vorstellung von der Funktion des Künstlers fand Udechukwu ein Vorbild in den traditionellen Sängern (minstrels). Diese hatten sich schon immer mit ihren Gesängen und Sprichwörtern in das leben der Gemeinschaft eingemischt. Sie machten auf Regelverletzungen aufmerksam, kritisierten offen Mißstände und gaben Anregungen zu deren Beseitigung. Durch die Dokumentation von Auftritten solcher Sänger und durch die Analyse von deren Texten war Udechukwu zu einem der besten Kenner der mündlichen Literatur (orature) seines Volkes geworden.

In dem Zyklus "No Water" (1981) ging der Künstler mit der Regierungsschicht Nigerias ins Gericht. Er stellte die Frage, wie es kommen könne, daß es die Regierung trotz des Reichtums durch den Ölexport nicht einmal schafft, die Grundversorgung der Bevölkerung mit so elementaren Dingen wie sauberem Trinkwasser sicherzustellen. Für "Onye Ndidi - aseries of drawings and watercolours on the theme of Patience" (1985) wählte Udechukwu ein Igbo Sprichwort als Thema, das übertragen etwa lautet: Nur der Geduldige ist als Angler erfolgreich. Mit diesen Werken kritisierte er die Sucht vieler seiner Landsleute nach schnellem Profit, die weitverbreitete Korruption und die Übervorteilung der Schwachen. Am Beispiel des Anglers und des Bauern zeigte er, daß nur Geduld und langfristiges Planen zu dauerhaftem Erfolg führen.

Von den eher karrikaturenhaften Zeichnungen des "No Water"-Zyklus mit ihren direkten politischen Stellungnahmen entwickelte sich Udechukwus Kunst über die "Onye Ndidi"-Arbeiten hin zu eher abstrakten, grundsätzlichen Aussagen, wie die Ausstellung "Nsukka landscape" (1989) zeigte. Udechukwu verwies den Betrachter darin auf die große Bedeutung der Natur als Ursprung und Ausgangsbasis des Lebens und machte klar, daß der Mensch sie bewahren müsse. In einer gewissen Weise kann man die Bilder der Ausstellung als Fazit von vielen Jahrzehnten Erfahrung als Künstler betrachten: Beobachtungen aus dem Alltag stehen neben Kommentaren zu politischen Entwicklungen und Themen aus der Vergangenheit. Traditionelles vermischt sich mit dem Neuen (d.h. natürlich auch mit dem Fremden), genauso wie im modernen Leben. Mit sicherem Gefühl für seine eigenen Wurzeln und mit hohen Erwartungen an die eigene Gesellschaft ist Obiora Udechukwu bereit, auch weiterhin seinen Teil zur Entwicklung in Nigeria beizutragen.